"Romantiker sind keine Verlierer, Romantiker sind Menschen die Emotionalität begriffen haben." (Radio-Interview)

Aus der Nervenklinik in den Container…. Joachim Witt bei Big Brother

witt-konzert-2016Da hat unser kritisch-sensibler Ausnahmekünstler mal wieder Fakten geschaffen, uns im Sessel wachgerüttelt und einen Weg eingeschlagen, dem doch einige nur widerwillig oder am liebsten gar nicht folgen wollen: Den Weg in den Container, Big Brother. Die durchaus umstrittene Sendung polarisiert. Toll oder total daneben? Wir werden es wissen, wenn es vorbei ist. Wer mitreden will, muss mitschauen.

Big Brother – der große Bruder

George Orwell schuf in seinem Roman „1984“ schon 1949 – in Joachim Witts Geburtsjahr – den Begriff „Big Brother“, der große Bruder. Jemand, mit dem man vertraut ist, der wie selbstverständlich zur Familie gehört, der „irgendwie immer dabei“ ist und einen auf Schritt und Tritt beobachtet – und im Ernstfall nach Belieben bei den Eltern anschwärzt. Im Roman dient die totale Überwachung ohne jegliches Privatleben durch Big Brother als Werkzeug zur Stabilisierung eines totalitären Staates.

„Ich hab die Zukunft eingeholt, doch sie hat mir den Arsch versohlt“

(Zitat: Träume, die kein Wind verweht, Album Bayreuth 1)
Joachim Witt Auftritt 2016Was zu George Orwells Zeiten ein düsterer Blick in die Zukunft war, wurde für uns peu-a-peu Realität. Wer jemals bei Live-Hacking dabei war und weiß, wie schnell man Zugriff auf fremde Smartphones, Kameras, Webcams erhält, der weiß, dass wir von George Orwells Zukunftsvision nicht mehr weit entfernt sind. Und von der Möglichkeit durch Überwachung mal abgesehen, zeichnen wir in sozialen Medien ein ebenfalls recht deutliches Bild. Nur die Freunde sehen es… oder??? Smartphones übermitteln Bewegungsmuster, Social Media-Seiten registrieren persönliche Verbindungen, Online-Käufe registrieren deine Vorlieben. Gibt es noch irgendeinen Kontakt, einen Ort, einen Wunsch der nicht virtuell erfasst wird? Die Gedanken sind frei… sicher? Kameras registrieren Gefühlsregungen… wenn Du lächelst, macht es klick – das ist die grobe Version.

Big Brother vs. Big Brother

Die Gemeinsamkeiten von Big Brother und Big Brother erschöpfen sich in der totalen Überwachung und der nicht vorhandenen Privatsphäre. Daher also die Ableitung des Titels. Im Sendeformat nimmt der Zuschauer scheinbar die Rolle des Big Brother ein – des alles Beobachtenden. Da das je nach Bewohner unter Umständen doch schnell langweilig werden könnte, wird die Situation künstlich ungemütlich oder gemütlich gestaltet, Aufgaben gestellt, Szenen ausgefiltert und kommentiert und so komprimiert wiedergegeben, das das voyeuristische Hirn, die sensationslüsterne Seele oder die schadenfreudige Natur voll auf ihre Kosten kommen. Zudem erhält der Zuschauer eine gewisse Macht durch das „rauswählen“ unbeliebter Kandidaten. Soweit die angelesene Theorie (ohne Gewähr).

Äi, lass das sein, Joachim, Du bist wohl ganz versessen…

(freies Zitat, Herbergsvater, Album Edelweiss)
Das haben wohl viele gedacht, als sie von der Teilnahme hörten. Und über die Gründe spekuliert. Geld? Vielleicht… Publicity? Möglicherweise… Exhibitionismus? Gehört für einen Schauspieler in gewisser Weise dazu… Den eigentlichen Grund unseres Herbergsvaters vermute ich jedoch in der Erfahrung, die ihn reizt. Sich selbst in eine unbequeme Situation begeben, die Komfortzone erweitern, das Risiko austesten und dabei ganz auf die eigene Person, die eigene Stärke vertrauen. Witt ist Witt.
Wer sich also fragt, was der Container aus Witt macht, sollte die Frage kurz umstellen: Was macht Joachim Witt aus dem Container?
Und mit dieser Frage, einem Gruß an Joachim und einem weiteren Zitat beenden wir die Vorschau auf das, was noch kommen mag: „Ja, ja – so ist es gut – bring‘ Dich in Form und mach Dir Mut – die Zeit ist so, dass es kein anderer mehr für Dich tut“ (Zitat aus Inflation im Paradies, Album Edelweiß)

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