#PromiBB : Halbzeit im Container | Loyalität vs. Niveau | Joachim im Glück

Meine Wiese ist nur noch grün… alle Gänseblümchen sind durchgezupft – gucke ich #promibb – gucke ich es nicht – oder doch…? oder nicht….

Joachim Witt bei Promi Big Brother

Ja, sicher, natürlich, selbstverständlich!

Was soll die schnöde Selbstkasteiung, das Winden des Niveaus wegen, vorbei die Pflege der Vorurteile und kopfüber hinein in den 24 Stunden Live-Stream, tief unten in der untersten Schublade, da wo man die lange vermisste, verstaubte Einzelsocke findet. Wird es mich töten? Ich halte die Luft an und finde mich irgendwann mitten in der schwappenden Suppe aus oben und unten. Prustend schaue ich mich um entdecke nach und nach die Protagonisten des Exhibitionismus-Spektakels. Ah, und da ist auch Joachim. Schön Dich zu sehen. Ich freu mich, nicht ohne gemischte Gefühle… wohin führt das alles hier?

Die Skandalnudel

Ah, da ist sie ja, die klischeehafte Karikatur einer Frau, die dumm nervende, großmäulige Heulsuse, die in der Kanalisation für Stimmung sorgt. Edona. Ein bisschen Sex, Transgender, skandalsuchend und dauerbeleidigt. Das, was der Sendung den Ruf einbringt… wobei es nervende Skandalnudeln auch früher schon gegeben hat. Nur deutlicher als Rolle erkennbar. Wer ist alles da, wer ist wo und wer ist wer… es dauert einige Zeit, bis man alle sortiert hat. Eine bunte Mischung Mensch mit der Gemeinsamkeit des Promi-Status. Herren und Damen, introvertiert und extrovertiert, mit exorbitantem Ego oder eher zurückhaltender Natur. Soweit, so gut. Und jetzt?

Verschwendung von Lebenszeit

Der erste Eindruck – es geht nur um Effekthascherei auf unterstem Niveau – scheint sich zu bestätigen. Den Unterhaltungen zu folgen scheint eine schier unglaubliche Verschwendung von Lebenszeit. Oben läuft es zumeist zivilisiert, unten eher kanalisiert. Der Gossenjargon lässt nicht lange auf sich warten in den Katakomben. Oben hui, unten pfui – das scheint sich auch auf den menschlichen Besatz auszuwirken. Muschi-Beschau und die umfangreiche Schilderung von diversen OPs – gekrönt von den unsäglichen Kommentaren der Moderatoren und der boshaften Berufslästerzunge Desiree Nick. Ich hab den Griff der Schublade ganz unten schon in der Hand und überlege, den Container und alles was dazu gehört verschwinden zu lassen. Nur diesmal steckt da ein Joachim Witt mit drin… Mist!

Am Haken der Neugier

Es fällt schwer, gedanklich wegzukommen. Was machen die wohl jetzt? Ist Joachim wohl schon wach? Trinkt er Tee oder Kaffee zum Frühstück? Das Gedankenkarussell nimmt fahrt auf. Ich will es wissen. Stand da nicht was von Streaming? Eine halbe Stunde später ist alles zu spät.

Ups… doch anders…

Schnell sortiere ich die Bewohner in ihre Schubladen. Sympathisch – unsympathisch, ordentlich, ordinär, stark oder schwach, dumm oder pfiffig. So, jetzt weiß ich ja alles und kann doch eigentlich ausschalten…. dann werden die Karten neu gemischt, die Gruppen verändert und es entstehen neue Konstellationen und neue Eindrücke. Wer eben noch gelassen war, ist plötzlich unwirsch, wer gerade noch gezickt hat entspannt sich spontan. War wohl nix mit Schublade. Zeit für den zweiten Eindruck – und die Erkenntnis, dass ich immer noch zu schnell urteile. Nur Edona nervt irgendwie immer. Ist wohl ihr Job. Oder? Und während ich noch darüber nachsinne, ob es sei ihr vorgeschrieben wird, ist sie plötzlich aus dem Haus verschwunden. Zu viele Regelverstöße. Und tschüss.

Hunger Games

Der wohl entscheidendste Unterschied zwischen oben und unten ist die stark eingeschränkte Zufuhr von Lebensmitteln. Verwöhnte Wohlstandskinder erleben den Zustand, Hunger zu haben. Etwas, was doch zu Anspannung und blanken Nerven führt. Ungewaschene Haare, Wurzelgemüse und eine deprimierend graue Umgebung ohne Tageslicht und frische Luft sind die weiteren Herausforderungen. Jetzt noch Giftgas und Bomben und dann bekämen die Kellerkinder Flüchtlingsimpressionen. Ich überlege, wen man da noch zu EQ-Bildungszwecken hineinstecken müsste. Etwas theoretisch zu durchdenken und tatsächlich zu erleben ist deutlich erkennbar ein erheblicher Unterschied.
Als Kontrast wird im oberen Bereich mit Lebensmitteln gematscht und gespielt. Dekadenz, Gedankenlosigkeit und Desinteresse. Ein schöner Spiegel der Gesellschaft, Inspiration zum Nachdenken. Was macht es mit uns als Mensch, wenn wir oben sind, welche Chancen haben wir, wenn wir von unten kommen… ungewollte oder gewollte Gesellschaftskritik?

Joachim im Glück

Joachim kennt die Kanalisation nur aus Erzählungen, ein Erfahrungsdefizit, dass er lieber hinnimmt als ausgleichen möchte. Wohl schon aus hygienischen Gründen und aufgrund der noch engeren Situation mit fremden Menschen. Zeitweilig erweckt es den Eindruck, dass ihn Smalltalk, fettes Leben und Untätigkeit stark langweilen und er ausgiebige Gedankenspaziergänge unternimmt – hin zur heutigen Veröffentlichung des Albums Thron, zur Frage, was draußen wohl gerade läuft, was er mit der Zeit alles hätte anfangen können, die er hier sitzt und zerredet, bzw. zerreden lässt. Vom üblichen kreativen Output getrennt lässt er die Situation auf sich wirken, läuft im Aufnahmemodus, hört zu, kommentiert spärlich. Man erlebt als Zuschauer Joachim so, wie er auch bei persönlichen Begegnungen zu erleben ist. Ruhig, zurückhaltend, eher introvertiert. Und trotzdem er so wenig laut, schrill oder dominant auftritt, findet er mit Ruhe und Souveränität seinen Platz in der bunten Mischung. Vielleicht ist Schwarz ja doch eine Farbe.

2016 #PromiBB #Promibigbrother #pbbjoachim #pbbjoachimwitt